Wüstensonne im Fokus

Mit der Finanzierung des Solarparks Ouarzazate treibt die KfW den globalen Umbau der Energiesysteme voran. Und unterstützt damit zugleich das Schwellenland Marokko bei der Umsetzung seiner Klimaziele.

Verlässlich strahlt die Sonne über Ouarzazate, durchschnittlich 9,4 Stunden am Tag, das ganze Jahr über. In ihrem gleißenden Licht wurden hier Historienfilme wie „Gladiator" oder „Lawrence von Arabien“ gedreht. Seit Mitte 2013 wird vor den Toren der südmarokkanischen Stadt an der Zukunft einer klimafreundlichen Energieversorgung gebaut. Auf einer Fläche von 3.000 Hektar – das entspricht umgerechnet rund 4.200 Fußballfeldern – entsteht am Rande der Sahara der weltweit größte Solarpark. Vier hochmoderne Kraftwerke (Noor I bis IV) sollen bis 2017 mit einer installierten Kapazität von insgesamt 560 Megawatt (MW) rund 1,3 Millionen Marokkaner mit sauberer Energie versorgen. Und damit die Vision verwirklichen, grünen Strom aus der nordafrikanischen Wüste zu beziehen.

Noor I ans Netz

Der erste Meilenstein ist fast erreicht: Das Parabolrinnenkraftwerk Noor I geht mit einer Kapazität von 160 MW gegen Ende 2015 – und damit zeitlich im Plan – ans Netz. Selbstverständlich ist das nicht: Die bei dem solarthermischen Großkraftwerk genutzte Technologie „Concentrated Solar Power“ (CSP) ist noch jung und kommt bislang nur in kleineren Anlagen in Spanien und den USA zum Einsatz. In Ouarzazate wurden dagegen rund 1.600 Parabolrinnen-Kollektoren in langen Reihen im Wüstensand installiert und mit höchster Präzision montiert. Die Spiegel folgen der Bewegung der Sonne, bündeln die einfallenden Strahlen und reflektieren sie auf einen Punkt. An dieser sogenannten Fokuslinie nimmt eine mit Wärmeträgerflüssigkeit gefüllte Röhre die Energie auf. Sie erhitzt einen Wasser-Dampf-Kreislauf, der über eine Turbine und einen Generator die gewonnene Wärmeenergie in Strom umwandelt. Dieses Dampfkraftwerk mit dem Solarfeld zu verbinden, ist technisch ebenfalls höchst anspruchsvoll.

Noor I

Anders als Photovoltaik-Anlagen können solarthermische Kraftwerke die Sonnenenergie über einen Flüssigsalzspeicher in großem Umfang effizient speichern – und damit auch nachts Strom erzeugen. Über die zentrale Netzleitstelle lässt sich die Produktion je nach Bedarf drosseln und erhöhen. Die Komponenten für diese leistungsfähige Technologie sind jedoch noch vergleichsweise teuer. Das gilt auch und erst recht für den Solarturm, der im Zentrum des Kraftwerks Noor III stehen wird. Tausende von kreisförmig aufgestellten beweglichen Spiegeln reflektieren das Sonnenlicht hier auf den in der Mitte des Solarfeldes platzierten 270 Meter hohen Turm. Die Bauarbeiten dafür werden im dritten Quartal 2015 beginnen.

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Investition in Zukunftstechnologie

Technische Innovationen wie diese erfordern Investitionen. Denn erst ihre großflächige Anwendung macht sie auf Dauer auch wirtschaftlich – und damit für Privatinvestoren interessant: „Werden viele solarthermische Anlagen gebaut, sinken mittelfristig die Kosten für die Fertigung und Montage der Komponenten“, erläutert Helmut Asam, Technischer Sachverständiger für Erneuerbare Energien im Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank.

Die Gesamtkosten für den Solarpark Ouarzazate liegen bei rund 2,2 Mrd. EUR. Finanziert wird er von einer internationalen Gebergemeinschaft. Der Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank unterzeichnete im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) im Rahmen der Internationalen Klimainitiative (IKI) sowie des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Darlehensverträge in Höhe von 754 Mio. Euro – und trägt damit rund 40 % der Kosten. Ouarzazate ist zugleich eines der bislang größten KfW-Projekte im Rahmen der Finanziellen Zusammenarbeit (FZ). Das Engagement ist Teil der Initiative für Klima- und Umweltschutz (IKLU), die die KfW 2007 im Auftrag des BMZ ins Leben gerufen hat. Seither stellte sie darüber rund 4,27 Mrd. EUR als zinsgünstige Darlehen für klima- und umweltfreundliche Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern bereit.

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Beitrag zu Marokkos Klimazielen

Mit der Finanzierung des Solarparks Ouarzazate fördert der Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank die weltweite Transformation der Energiesysteme. Zugleich unterstützt sie die marokkanische Regierung unter König Mohammed VI bei der Umsetzung ihrer ambitionierten nationalen Energiestrategie. Bis 2020 sollen 42 % der in Marokko installierten Kapazitäten zur Stromerzeugung auf erneuerbaren Quellen gründen, aufgeteilt auf jeweils zwei Gigawatt (GW) Kapazitäten aus Solar-, Wind- und Wasserkraft.

Aktuell basiert der Energiemix des nordafrikanischen Schwellenlandes zu großen Teilen auf fossilen Trägern, die mangels eigener Vorkommen größtenteils importiert werden. Eine stärkere Eigenversorgung aus regenerativen Quellen setzt mittelfristig Devisen frei für Investitionen in Infrastruktur oder Bildung – und unterstützt damit den wirtschaftlichen Aufschwung, den Marokko seit einigen Jahren verzeichnet. Dieser schafft Arbeitsplätze und wirkt stabilisierend auf das Land, führt aber auch zu einem steigenden Energiebedarf.

Die geografischen Voraussetzungen für die marokkanische Energiewende sind sehr gut, die Solarstandorte zählen zu den besten weltweit. Heben kann das Schwellenland das energetische Potenzial allerdings nicht allein. Als einer der wichtigsten Partner deutscher Entwicklungszusammenarbeit profitierte es bereits in der Vergangenheit von FZ-Darlehen. Die darüber finanzierten ersten Windparks des Landes in Essaouira und Tanger liefern bereits seit 2007 grünen Strom. Seit März 2015 unterstützt der Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank als Mitglied eines internationalen Bankenkonsortiums zudem zwei marokkanische Geschäftsbanken mit einer Kreditlinie in Höhe von 10 Mio. EUR für Finanzprodukte zur Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien.

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Umsetzung als Public Private Partnership

In Ouarzazate brachte der Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank neben Geld auch fachliche Expertise ein. Den Rahmen dafür bildete eine im Kontext eines Schwellenlandes außergewöhnliche Projektstruktur. Verantwortlich für die Umsetzung des Solarparks und Darlehensnehmer ist die Moroccan Agency for Solar Energy (MASEN), eine öffentliche Agentur für Solarenergie. Sie realisiert das Projekt in einer Public Private Partnership (PPP) nach dem Modell „build, own, operate, transfer“ (BOOT). Danach baut der Bieter das Kraftwerk und betreibt es über 25 Jahre selbst. Die marokkanische Regierung sichert ihm für diesen Zeitraum vertraglich zu, den per Einspeisevergütung subventionierten Strom abzunehmen. Zudem garantiert sie die Geberbeiträge und finanziert die Erschließungs- und Anbindungskosten des Solarkraftwerks. Im Sinne von Qualität und Wettbewerb schreibt MASEN jedes der vier Kraftwerke Noor I bis IV in einem öffentlichen, internationalen und mehrstufigen Verfahren einzeln aus. Bei der Formulierung technischer und juristischer Qualitätsansprüche sowie risikomindernder Aspekte wird die Agentur von sachverständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der KfW unterstützt. „Wir sehen uns in dem Projekt auch als fachliche Berater“, sagt Jan Schilling, Projektverantwortlicher im KfW-Büro Rabat.

Mit Konzeption, Bau, Betrieb und Instandhaltung des Kraftwerks Noor I wurde ein privates Konsortium aus Saudi-Arabien beauftragt. Als Generalunternehmer beschäftigt es rund 200 Sub-Auftragnehmer, darunter zahlreiche deutsche Unternehmen. Ein großer Anteil der Wertschöpfung entsteht mit rund 30 % in Marokko. Von den rund 1.900 Arbeitern, die an der Errichtung des Kraftwerks beteiligt waren, stammen rund drei Viertel aus dem Schwellenland, die meisten von ihnen aus der Gegend um Ouarzazate.

Die Kosten für den Strom, den das Kraftwerk Noor I in das marokkanische Netz einspeist, liegen bei 12,5 Cent pro Kilowattstunde. „Verglichen mit einem Ausbau der im Land vorhandenen gas- und ölbasierten Kraftwerke geht dies in die Nähe der Wirtschaftlichkeit“, sagt Schilling. Und ist in jedem Fall klimafreundlicher: Gegenüber fossilen Quellen vermeidet das solarthermische Kraftwerk jährlich 229.000 Tonnen CO₂, der gesamte Solarpark Ouarzazate nach Fertigstellung insgesamt 800.000 Tonnen pro Jahr.

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Signalwirkung für die Region

Den bislang erfolgreichen Baufortschritt bezeichnet der KfW-Projektverantwortliche Schilling als „Ergebnis eines gelungenen Zusammenspiels aus Finanzierung, politischem Willen und einer kompetenten Umsetzungsorganisation.“ Diese Faktoren vorausgesetzt, lasse sich die unerschöpfliche Ressource Sonne auch in anderen Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens wirtschaftlich nutzbar machen. Für die Energieversorgung der eigenen Bevölkerung und perspektivisch für den Export in andere Länder. Läuft alles nach Plan, könnte Ouarzazate auch aus energiepolitischer Sicht ein bedeutsamer Schauplatz werden.

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Fast jeder sechste Mensch lebt in Energiearmut.

Die meisten von ihnen leben im ländlichen Raum. Sie haben keine oder nicht ausreichend Energie zum Kochen, Beleuchten, Heizen, Kühlen oder zur Nutzung von IT-Geräten. Auf Lebensqualität und Zukunftschancen wirkt sich das negativ aus. Da der Energiebedarf künftig weiter steigt, gilt die globale Energiewende als Voraussetzung für die Überwindung von Armut.

Windkraft für Québec

Ein windreicher, dünn besiedelter Standort, erfahrene Projektpartner und ein staatlicher Energieversorger, der eine langfristige Stromabnahme garantiert: Die Voraussetzungen für den Bau der beiden kommunalen Windparks Témiscouata I und II in der kanadischen Provinz Québec waren gut. Der erste ging Ende 2014 und damit früher als geplant ans Netz. Betrieben wird er von der regionalen Grafschaftsgemeinde Témiscouata sowie Boralex, einem kanadischen Spezialisten für regenerative Kraftwerke. Das zweite, von Boralex allein betriebene Kraftwerk soll ab Ende 2015 Strom liefern.

Als alleiniger Kreditgeber hat die KfW IPEX-Bank das Projekt strukturiert und mit umgerechnet rund 150 Mio. EUR finanziert. Zusammen mit ihren Beratern war sie auch verantwortlich für den Due Diligence-Prozess und koordinierte die Kommunikation mit dem Kunden. Die Technik liefert der deutsche Hersteller Enercon, mit dem die KfW IPEX-Bank, ebenso wie mit Boralex, seit Jahren zusammen arbeitet. Mit einer installierten Leistung von 75,2 MW versorgen die beiden Windparks rund 15.000 Haushalte mit Strom.

Neuer Energiemix in Uruguay

Windkraft gewinnt auch in Uruguay an Bedeutung. Denn mit dem wirtschaftlichen Aufschwung des südamerikanischen Schwellenlandes steigt der Energiebedarf – bis 2020 um mindestens 4 % pro Jahr. Ein signifikanter Ausbau der Wasserkraftwerke, die aktuell über die Hälfte zum nationalen Energiemix beitragen, ist technisch schwierig und erhöht zudem das Risiko, in Trockenjahren von Stromimporten abhängig zu sein. Die DEG hat sich an einem der ersten privatwirtschaftlichen Windparks in Uruguay beteiligt. Mit einer installierten Leistung von 88 MW und aktueller europäischer Technologie produziert er seit August 2014 an drei zusammenhängenden Projektstandorten im Departamento Florida umweltfreundlichen Strom. Dessen langfristige Abnahme garantiert die staatliche Elektrizitätsgesellschaft. Erbaut wurde der Windpark von der Betreibergesellschaft Arkenux S.A.. Die DEG ist an dem Unternehmen mit Eigenkapital beteiligt und hat es bei der Umsetzung des Vorhabens beraten.

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Club der grünen Finanzierer

Grüne Finanzierungen und Know-how für eine nachhaltige Entwicklung mobilisieren: Für dieses Ziel haben sich 22 Entwicklungsbanken aus Afrika, Asien, Europa und Lateinamerika zum International Development Finance Club (IDFC) zusammengeschlossen. Ihre Zusagen im Bereich Green Financing sind seither kontinuierlich gestiegen – auf 99 Mrd. USD im Jahr 2013. Mehr als zwei Drittel der Mittel flossen zur Bekämpfung und Anpassung an den Klimawandel in Projekte zur Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Die KfW ist Gründungsmitglied des Clubs und führt aktuell den Vorsitz. Im Vorfeld des Pariser Klimagipfels im November 2015 engagiert sich der IDFC stark für das Thema Green Finance und kooperiert dazu mit der UN. Ziel ist es, künftig verstärkt auch privates Kapital für internationale Klimafinanzierungen zu bündeln.

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Mein Nachhaltigkeitsbericht

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