Standpunkt "Die Wirkung nachweisen"

Wirkung allein zählt, ist aber nicht leicht zu zählen. Prof. Dr. Eva Terberger, Leiterin der Evaluierungsabteilung im Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank, über Herausforderungen der Wirkungsmessung.

Prof. Dr. Eva Terberger, Leiterin der Evaluierungsabteilung.

Förderung ist erfolgreich, wenn sie zu positiven Veränderungen führt, die sich sonst nicht eingestellt hätten – wenn sie also wirkt. Im Falle der KfW etwa zum Schutz von Umwelt und Klima oder im Sinne der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, in Deutschland und weltweit. Wirkung ist das, was zählt, und gilt als Gradmesser für den Fördererfolg. Da liegt es nahe zu fordern: Wirkung muss gemessen werden – um besonders erfolgreiche Aktivitäten auszuweiten und weniger erfolgreiche Ansätze zu verbessern. Das ist zweifellos richtig, leider aber oft einfacher gesagt als getan.

Was wird gezählt, wie verglichen?

Das beginnt damit, dass es für Förderwirkungen kein einheitliches Zählmaß gibt. Als einfacher Indikator wird vielfach die Zahl der erreichten Menschen propagiert. Sich allein darauf zu stützen, erweist sich jedoch als ungeeignet oder gar gefährlich. Offensichtlich wird das am Beispiel eines Fördervorhabens zum Schutz des Regenwalds im Amazonasgebiet. Die erreichten Menschen spielen hier eine untergeordnete Rolle. Ziel ist es ja gerade, zumindest bestimmte menschliche Nutzungsformen wie illegalen Holzeinschlag, Wilderei oder die Umwandlung von Naturflächen in Agrarland einzudämmen. Weitaus geeigneter als Erfolgsmaßstab wäre hier der Erhalt von Biodiversität oder das Ausmaß der verhinderten Waldzerstörung.

Bei anderen Förderaktivitäten mag die Zahl der erreichten Menschen zwar ein angemessenes Zählmaß sein. Doch bedeutet dies noch lange nicht, dass sich Wirkungen darüber vergleichen ließen. Wie etwa wäre folgende Frage zu beantworten: Ist es wirkungsvoller, mit einer bestimmten Summe einen Satelliten zu fördern, der 100 Millionen Menschen erstmals Zugang zu moderner Telekommunikation ermöglicht, oder aber Maßnahmen, die lediglich einer halben Million Menschen erstmals Zugang zu sauberem Trinkwasser verschaffen?

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Sichtbare versus tatsächliche Effekte

Nicht minder schwierig zu beantworten ist die Frage, welche Veränderungen eine Fördermaßnahme tatsächlich ausgelöst hat. Ein Beispiel: Ein Förderprogramm der Finanziellen Zusammenarbeit (FZ) soll die Zahl der medizinisch betreuten Geburten steigern, um die Mütter- und Säuglingssterblichkeit zu mindern. Die Zahl der betreuten Geburten lässt sich zwar ermitteln. Ein Teil der Geburten wäre vermutlich aber auch ohne Förderung medizinisch betreut worden. Valide Schlüsse auf die zusätzlichen betreuten Geburten lässt erst ein statistisch aufwändiger Vergleich zu – von Müttern, die vom Förderprogramm erfasst wurden, mit einer Kontrollgruppe von sozioökonomisch sehr ähnlichen, jedoch nicht geförderten Müttern.

Unstrittig bleibt, dass in der Förderung allein Wirkungen zählen. Einheitlich messen lassen sie sich jedoch nicht – und daher nur eingeschränkt miteinander vergleichen. Häufig sind Wirkungen nur unter großem Aufwand messbar. Manchmal aber ist der Versuch, korrekt zu zählen, diesen Aufwand wert. In jedem Fall hilft das Wissen um die Bedeutung und die Schwierigkeiten der Wirkungsmessung, die richtigen Fragen zum Erfolg einer Förderung zu stellen.

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