In Effizienz investieren

Energiesparende Gebäude spielen eine Schlüsselrolle für das Gelingen der Energiewende. Energieeffizienz leistet zudem einen wichtigen Beitrag zur Refinanzierung und löst Innovationen aus. Die KfW fördert sie über verschiedene Programme.

Explorer Hotel im Allgäu.

Bereits in der Lounge wird klar: Das Explorer Hotel Berchtesgaden in Schönau am Königssee adressiert sportlich aktive Menschen. An einer Werkbank können sie Mountainbikes oder Skier für die nächste Tour präparieren, für die Ausrüstung stehen Schließfächer bereit. Funktional sind auch die 100 Zimmer und der Service. „Unsere Gäste wollen ihren Urlaub nicht im Hotel verbringen, sondern die Region entdecken“, begründet Jürnjakob Reisigl, Geschäftsführer der Explorer Hotels Entwicklungs GmbH in Oberstdorf. Vier Design-Budgethotels hat er seit Ende 2010 gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin Katja Leveringhaus in den bayerischen und österreichischen Alpen errichtet. Weitere sind in Planung.

Aus ökologischer Sicht werden sie höchsten Anforderungen gerecht. Das Hotel in Schönau erreicht einen KfW-Effizienzhaus-Standard, bei dem die gesetzlichen Anforderungen an den Primärenergiebedarf eines vergleichbaren Neubaus um rund 45 % unterschritten werden. Geplant wurde das Gebäude – wie alle Explorer Hotels – nach dem sogenannten Passivhaus-Prinzip. Die Hotels nutzen die von Gästen und elektrischen Geräten abgegebene Wärme und kommen ganzjährig ohne separates Heiz- bzw. Klimatisierungssystem aus. Dafür sorgen eine hochgedämmte, wärmebrückenfreie und luftdichte Gebäudehülle sowie dreifach verglaste Spezialfenster. Eine Lüftungsanlage entzieht der Abluft einen Großteil der gespeicherten Wärme und tauscht so die Luft vollständig aus. Verglichen mit konventionellen Hotels kommen Explorer Hotels mit rund 70 % weniger Energie aus. Warmes Wasser wird klimafreundlich in einer Biogas-Brennwerttherme erzeugt, der für die Beleuchtung benötigte Strom etwa zur Hälfte über eine Photovoltaik-Anlage. Der restliche Strom stammt aus Wasserkraft. Damit ist jedes Explorer Hotel für sich in seiner Energiebilanz klimaneutral.

Passivgebäude dieser Größe gibt es noch nicht viele, in ihrer Branche gelten die Hoteliers als Vorreiter. „Wir mussten freilich auch einiges lernen“, sagt Reisigl. Etwa wie die Lüftungssteuerung auch im Sommer für ein angenehmes Raumklima sorgt. Die Mehrkosten durch energiesparende Bauweise schätzt der Geschäftsführer auf 6 % bis 7 %: „Das hat sich jedoch in weniger als sechs Jahren amortisiert.“ Zudem sei da noch der Marketingfaktor: „Ökologie kommt bei den Gästen gut an“, sagt Reisigl, der in Oberstdorf weitere Hotels aller Preiskategorien betreibt. Das Explorer Hotels-Konzept wurde 2013 mit dem Deutschen Tourismuspreis ausgezeichnet.

Effizienzziele der Bundesregierung für Gebäude bis 2050

  • Nahezu klimaneutraler Bestand
  • Neubauten ab 2020 im Niedrigstenergiestandard
  • 80 % weniger Primärenergiebedarf im Vergleich zu 2008
  • Verdoppelung der jährlichen Sanierungsrate von 1% auf 2 %

KfW-Programme für mehr Energieeffizienz (Auswahl)

ProgrammZielgruppeFörderschwerpunkteZusage­volumen 2014
(in Mrd. EUR)
Energieeffizient Bauen und Sanieren (EBS-Programme)Eigentümer und Käufer von Wohn­immobilienWohngebäude; Neubau oder Ersterwerb eines KfW-Energie­­effizienz­­hauses, energetische Sanierung von Wohngebäuden (Einzelmaßnahmen wie z.B. die Erneuerung von Heizungsanlagen und Komplettsanierung), Planung und Baubegleitung durch Sachverständige9,32
KfW-Energie­effizienz­programmUnternehmen und FreiberuflerNeubau oder Sanierung von gewerblich genutzten Gebäuden, Modernisierungs- oder Neuinvestitionen in energieeffiziente Produktionsanlagen3,17
IKK/IKU – Energetische Stadtsanierung – Energieeffizient SanierenKommunen sowie kommunale und soziale UnternehmenNichtwohngebäude; energetische Sanierung von Gebäuden der kommunalen und sozialen Infrastruktur (Einzelmaßnahmen und Komplettsanierung)0,23
ERP-Innovations­programmUnternehmen, die mindestens zwei Jahre am Markt sindMarktnahe Forschung, Neu- und Weiter­entwicklung von Produkten, Produktions­verfahren und Dienstleistungen1,33
KfW-Finanzierungs­initiative EnergiewendeUnternehmenInvestitionen, Betriebsmittel und Innovationen im Sinne der Energiewende0,14
BMUB-Umwelt­­innovations­­programmUnternehmen (v.a. KMU), Kommunen und kommunale UnternehmenPilotvorhaben, u.a. im Bereich Energieeffizienz0,03

Optimierte Prozesse und Gebäude

Zur Finanzierung nutzten die beiden Hoteliers zinsgünstige Darlehen aus dem KfW-Energieeffizienzprogramm. Es ist eines der Programme, mit denen die Bank im Auftrag des Bundes Anreize für Energieeffizienz und zugehörige Innovationen in Deutschland schafft (siehe Tabelle). Dass Energieeffizienz einen wichtigen Beitrag zur Refinanzierung von Investitionen leisten kann, zeigt die jüngste unabhängige Evaluierung des Programms für das Förderjahr 2012: Die von der KfW unterstützten 2.117 Vorhaben sparen jährlich rund 900 Gigawattstunden (GWh) Endenergie und damit Energiekosten von etwa 150 Mio. EUR pro Jahr ein – und tragen so dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu sichern. Die Förderkredite in Höhe von 3,2 Mrd. EUR lösten Gesamtinvestitionen in Höhe von 3,8 Mrd. EUR aus. Dadurch konnten insgesamt rund 51.000 Arbeitsplätze in Deutschland für ein Jahr gesichert bzw. neu geschaffen werden, insbesondere in kleinen und mittleren Betrieben. Besonders profitiert hat das Baugewerbe: Bei 60 % der geförderten Investitionen handelte es sich um den Bau energiesparender Firmengebäude.

Seit Juli 2015 hat die KfW das KfW-Energieeffizienzprogramm neu ausgerichtet: Im Auftrag des (BMWi) fördert sie verstärkt die energetische Sanierung und den energieeffizienten Neubau von gewerblich genutzten Nichtwohngebäuden aus Mitteln des CO2-Gebäudesanierungsprogramms. Zum Oktober 2015 verbessert die KfW zudem das bestehende bundesverbilligte Förderangebot zur energetischen Sanierung von kommunalen und sozialen Nichtwohngebäuden und erweitert es um eine Neubauförderung für besonders energieeffiziente Gebäude. Im Zuge der Energiewende strebt die Bundesregierung bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand an. Hierzu bedarf es nicht nur mehr Effizienz bei Wohngebäuden, sondern auch bei gewerblichen und kommunalen Einrichtungen.

Wirkung konkret: Förderung von energieeffizientem Bauen und Sanieren (Wohngebäude)

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Standards für den Wohnungsbau

Die energetische Sanierung und der energieeffiziente Neubau von Wohngebäuden bleibt weiterhin der Schwerpunkt der Bundesförderung. Die KfW-Förderprogramme spielen hier seit Jahren eine zentrale Rolle. Finanziert werden sie aus Mitteln des CO2-Gebäudesanierungsprogramms des Bundes, der dafür jährlich rund 1,8 Mrd. EUR zur Verfügung stellt. Seit 2006 wurden damit über drei Millionen Wohneinheiten gefördert. Der Ende 2014 verabschiedete Nationale Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) sieht vor, die Mittel aufzustocken und die KfW-Förderung weiterzuentwickeln.

Flaggschiff bleiben die Programme „Energieeffizient Bauen und Sanieren“ (EBS), die energetische Investitionen in Wohngebäuden anreizen – sowohl Einzelmaßnahmen wie den Austausch von Heizungsanlagen oder Dämmung als auch umfassende energetische Modernisierungen. Dabei gilt: Je höher die erzielte Energieeffizienz, desto attraktiver die Darlehen bzw. Tilgungszuschüsse. Dass Fördergelder stets programmgemäß verwendet und Maßnahmen fachgerecht umgesetzt werden, sichern die 2014 verbesserten Qualitätsstandards. Sie umfassen eine automatisierte Prüfung der energetischen Berechnung, stichprobenartige Detailprüfungen der Planungsunterlagen sowie eine qualitätsgesicherte Expertenliste. Die erfolgreiche Umsetzung der Effizienzmaßnahmen überprüft die KfW stichprobenartig anhand von Nachweisen und Vor-Ort-Kontrollen.

Über die Programme „Energieeffizient Bauen und Sanieren (EBS)“ konnten seit 2006 kumuliert rund 16.000 GWh an Energie jährlich eingespart werden. Das zeigt die Evaluation der Programme durch das Institut für Wohnen und Umwelt (IWU) sowie das Fraunhofer-Institut IFAM aus dem Jahr 2014. Mit dieser Endenergieeinsparung ließe sich der jährliche Raumwärmebedarf von rund 1,3 Millionen Haushalten decken. Zudem spült jeder in das EBS-Programm investierte Fördereuro 3 - 4 EUR in die öffentlichen Kassen – durch Mehreinnahmen bei Steuern und Sozialabgaben sowie geringere Ausgaben für Arbeitslosigkeit. Allein 2013 sicherten die EBS-Programme 420.000 Arbeitsplätze für ein Jahr. Im wohnwirtschaftlichen Umfeld löst jeder Fördereuro durchschnittlich 12 Euro zusätzliche private Investitionen aus. Die KfW fördert regelmäßig über die Hälfte der in Deutschland neu errichteten Wohneinheiten. Sie erfüllen damit die hohen energetischen Anforderungen an ein KfW-Effizienzhaus, die weit über die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) hinausgehen. Der von der KfW etablierte Standard ist in der gesamten Immobilienbranche anerkannt.

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Sanierungstempo erhöhen

Im Bestand herrscht hingegen noch großer Sanierungsbedarf: Knapp neun Millionen Wohngebäude in Deutschland – und damit rund die Hälfte – sind unzureichend gedämmt. Die Sanierungsrate liegt derzeit bundesweit bei rund 1 % und damit unter den Zielen der Bundesregierung (2 %). Um die Effizienzziele der Energiewende zu erreichen, muss das Sanierungstempo erhöht werden – durch mehr, umfangreichere oder technologisch höherwertige Sanierungsmaßnahmen. Welche volkswirtschaftlichen Wirkungen von einer Verdoppelung der jährlichen Vollsanierungsrate auf die angestrebten 2 % der Wohngebäude ausgehen, berechnete das DIW 2014 in einer Studie. Danach übersteigen die jährlichen Energieeinsparungen schon 2030 die jährlichen Mehrkosten. Im Jahr 2050 sind die dann eingesparten Energiekosten sogar um 18 Mrd. EUR höher als die dann nötigen zusätzlichen Investitionen. In einem erweiterten „Modernisierungsszenario“ ließe v.a. die erhöhte Nachfrage nach Bau- und Materialleistungen das Bruttoinlandsprodukt 2050 um 1 % höher ausfallen und würde rund 150.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Hinzu kommt: Der Fokus auf Energieeffizienz löst Innovationen aus. Fast jedes vierte Patent zur Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden, das zwischen 2006 und 2012 am Europäischen Patentamt angemeldet wurde, kam aus Deutschland. Unter den Einreichern ist beispielsweise auch die va-Q-tec AG, ein von der KfW finanziertes mittelständisches Hightech-Unternehmen mit Sitz in Würzburg. Es entwickelt und produziert umweltfreundliche Dämmplatten, die rund zehnmal leistungsfähiger sind als konventionelle Dämmstoffe. Zum Einsatz kommen sie bei thermischen Verpackungen, zur Isolierung von Kühl- und Gefriergeräten – und auf dem Bau überall dort, wo auf geringer Fläche sehr gut gedämmt werden soll. Etwa bei schlanken Fassaden, Brüstungselementen oder Effizienzhäusern.

Innovationen wie diese können energetisches Bauen und Sanieren künftig günstiger und besser machen. Für Bauherren ist das insofern von Bedeutung, als die gesetzlichen Anforderungen weiter steigen: Ab 2020 müssen gemäß der europäischen Gebäuderichtlinie alle Neubauten in Europa im Niedrigstenergiestandard errichtet werden.

Dämmplatten der va-Q-Tec AG

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Schulungsfabrik für effiziente Produktion

Ergonomische Montagelinien, intelligente Buchungstafeln, Durchlaufregale: Die Schulungsfabrik „Lean and Green“ an der Vietnamese-German University (VGU) nahe Ho Chi Minh City bietet wichtige Instrumente für eine schlanke – und damit energiesparende – Produktion. Seit Dezember 2014 lernen vietnamesische Unternehmer hier die Methoden des sogenannten Lean Management praxisnah kennen. In Workshops erfahren insgesamt rund 450 Teilnehmer, wie einzelne Produktionsstufen entlang der Wertschöpfungskette aufeinander abzustimmen sind, um die eingesetzten Ressourcen optimal zu nutzen – im Sinne von Qualität, Umwelt und Mitarbeitern. Die Ergebnisse lassen sich über eine sogenannte Mixed-Model-Montagelinie für verschiedene Elektronik-, Textil- oder Konsumgüterprodukte simulieren. Vietnam avancierte in den vergangenen Jahren zu einem gefragten Produktionsstandort. Nun gilt es für das Land, langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Münchner Beratungsunternehmen Leonardo Group GmbH investierte daher rund 260.000 EUR in den Aufbau der Schulungsfabrik. Die DEG steuerte weitere 191.000 EUR aus Mitteln des develoPPP.de-Programms des BMZ bei. Bei der Umsetzung des Projekts kooperiert die Leonardo Group mit der TU Berlin und nutzt Standards erprobter Lean-Lernfabriken deutscher Hochschulen. Auf dieser Basis erstellt das Unternehmen Schulungsunterlagen, E-Learning-Module und Skripte für lokale Trainer in vietnamesischer und englischer Sprache. Dank der universitären Anbindung fließt Lean Management an der VGU bereits heute in die Vorlesungen ein. Als eigene Fachrichtung im Studiengang „Global Production“ soll es in ein paar Jahren integrierter Teil der Ingenieurausbildung in Vietnam sein.

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Grünes Wachstum für Europa

Für energieeffiziente Prozesse und den Mittelstand im Allgemeinen engagiert sich die KfW europaweit auf vielfältige Weise. Ziel ist es stets, Wachstumsimpulse zu setzen und damit laufende Reformprozesse zu unterstützen. Im Rahmen des Programms European Local ENergy Assistance (ELENA) vergibt die KfW im Auftrag der EU Globaldarlehen zur Refinanzierung von energieeffizienten Maßnahmen. 2014 schloss sie dazu Verträge mit Förderbanken in Dänemark, Polen und Italien. Mit letzterer, der Cassa Depositi e Prestiti (CDP), pflegt die KfW seit Jahren eine enge Beziehung. Ausgebaut wurde diese 2014 über ein Globaldarlehen in Höhe von 500 Mio. EUR für den energieeffizienten Umbau der öffentlichen Infrastruktur sowie die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen in Italien. Im Auftrag des Bundes unterstützt die KfW auch in Griechenland und Irland den Mittelstand mit Globaldarlehen über entsprechende Förderinstitutionen, an deren Aufbau sie zuvor beratend mitgewirkt hat.

Mein Nachhaltigkeitsbericht

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